UNCTAD Monitor für nachhaltige Finanzpolitik 2026: Eine globale Momentaufnahme
Der 2026 Monitor von UNCTAD bietet einen globalen Überblick darüber, wie sich die Politik für nachhaltige Finanzwirtschaft in verschiedenen Regionen und Regulierungssystemen entwickelt.

Die Politikgestaltung im Bereich der nachhaltigen Finanzierung wurde in 2025 weiter ausgeweitet. In den 35 von der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) beobachteten Volkswirtschaften wurden 143 neue politische Maßnahmen eingeführt, gegenüber 99 in 2024. Zusammen entfallen auf diese Volkswirtschaften 93% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP).
UNCTAD identifiziert drei übergreifende Trends:
- fortgesetzter Ausbau der Regulierung für nachhaltige Finanzen als Reaktion auf die Prioritäten der jeweiligen Rechtsordnungen sowie auf wirtschaftliche und ökologische Risiken;
- eine Verlagerung hin zur Umsetzung und operativen Wirksamkeit;
- eine stärkere Nutzung der Kohlenstoffbepreisung und der Transitionsfinanzierung als politische Instrumente.
Gleichzeitig nähern sich die Rechtsordnungen bei einigen gemeinsamen Grundprinzipien an, während sie sich in der regulatorischen Ausgestaltung und im Ambitionsniveau unterscheiden.
Europa verfügt im Monitoring von UNCTAD weiterhin über das am weitesten entwickelte Regulierungsökosystem für nachhaltige Finanzierungen.
Nachhaltigkeitsbezogene Offenlegung bleibt die größte Kategorie politischer Maßnahmen
Auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung entfielen 44% der in 2025 eingeführten Maßnahmen. Regierungen verabschiedeten im Laufe des Jahres 63 Maßnahmen im Zusammenhang mit der Offenlegung, mehr als doppelt so viele wie in 2024.
UNCTAD stellt eine zunehmende Angleichung an internationale Standards fest, insbesondere IFRS Sustainability Disclosure Standards, da die Rechtsordnungen eine stärkere Standardisierung, Harmonisierung und grenzüberschreitende Interoperabilität anstreben.
Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird auch zunehmend enger mit der Finanzstabilität verknüpft. UNCTAD weist darauf hin, dass die Offenlegung das Risikomanagement unterstützen kann, wenn klimabezogene Risiken die Vermögenswerte und das breitere Finanzsystem beeinflussen. Sie wird zudem zunehmend als makroprudenzielles Instrument betrachtet.
Ähnliche Standards, unterschiedliche regulatorische Pfade
In Europa lag der Schwerpunkt der jüngsten EU-Politik auf Vereinfachung und enger gefassten Berichterstattungspflichten. Dies erfolgte parallel zu einer strengeren Durchsetzung in Bereichen wie Greenwashing.
Der asiatisch-pazifische Raum bewegt sich von der Entwicklung von Rahmenwerken hin zu Integration und Umsetzung. Die Region führte 40 neue Maßnahmen im 2025 ein, gegenüber 49 im 2024, während nationale Strategien und die Nachhaltigkeitsberichterstattung fast 63% der neuen Maßnahmen ausmachten. UNCTAD beschreibt die politische Entwicklung als eine hin zu größerer Kohärenz, Skalierbarkeit und Systemintegration.
In Afrika entwickeln mehrere Rechtsordnungen parallel grundlegende Rahmenwerke für nachhaltige Finanzen. Offenlegungspflichten, Taxonomien und Rahmenwerke für Kohlenstoffmärkte werden gleichzeitig entwickelt, wobei einige nationale Systeme zudem darauf ausgelegt sind, die regionale Interoperabilität zu unterstützen.
In Nordamerika bleibt die Politikentwicklung fragmentiert. Kanada entwickelt seine Regulierung für nachhaltige Finanzen weiter, während sich in den Vereinigten Staaten eine zunehmende Kluft zwischen den Ansätzen auf Bundes- und Bundesstaatenebene zeigt.
In Lateinamerika konsolidiert sich die Politikentwicklung rund um praxisorientierte Instrumente, insbesondere Taxonomien, Produktregulierung und Kohlenstoffmärkte.
Die Umsetzung wird zu einer zentralen Herausforderung
UNCTAD identifiziert mehrere wiederkehrende Umsetzungsbeschränkungen, insbesondere in Entwicklungsländern:
- Hohe Compliance-Kosten – die Implementierung einer an ISSB ausgerichteten Offenlegung, Prüfung, Taxonomieklassifizierung und Übergangsplanung kann kostspielig sein, insbesondere für kleinere Unternehmen.
- Lücken bei Daten und Berichterstattung – vielen Unternehmen, insbesondere KMU, fehlen nach wie vor verlässliche Nachhaltigkeitsdaten, Treibhausgasemissionsinventare und angemessene interne Kontrollen.
- Regulatorische Fragmentierung – Rechtsordnungen müssen die Angleichung an internationale Standards mit nationalen Prioritäten und institutionellen Kapazitäten in Einklang bringen.
- Lücken bei den Umsetzungskapazitäten – Regulierungsbehörden, Unternehmen, Wirtschaftsprüfer und Finanzinstitute verfügen möglicherweise nicht über das technische Fachwissen, die Systeme und die Daten, die erforderlich sind, um Offenlegungspflichten, Taxonomien und die Regulierung von Kohlenstoffmärkten wirksam umzusetzen.
UNCTAD identifiziert außerdem den begrenzten Zugang zu nachhaltiger Finanzierung als eine separate Herausforderung und weist auf die Notwendigkeit einer weiteren Entwicklung von Instrumenten wie grünen Anleihen, an die Nachhaltigkeit gekoppelten Krediten, Übergangsfinanzierung und Emissionsgutschriften hin.
Kohlenstoffmärkte gehen über Pilotprogramme hinaus
Maßnahmen zur Bepreisung von Kohlenstoff machten mehr als 12% der im 2025 eingeführten neuen Maßnahmen aus. UNCTAD weist darauf hin, dass sich Kohlenstoffmärkte von Pilotphasen hin zu stärker operationalisierten und in einigen Fällen die gesamte Wirtschaft umfassenden Systemen entwickeln.
Taxonomien entwickeln sich ebenfalls über „rein grüne“ Klassifizierungen hinaus hin zu umfassenderen Übergangsrahmenwerken. Diese Ansätze können die Dekarbonisierung schwer dekarbonisierbarer Sektoren ebenso berücksichtigen wie Investitionen in erneuerbare Energien.
Interoperabilität wird die nächste Phase prägen
UNCTAD identifiziert Interoperabilität als eine zentrale Herausforderung für die nächste Phase der politischen Gestaltung nachhaltiger Finanzierungen: Zunehmend vielfältige nationale Rahmenwerke müssen ausreichend interoperabel bleiben, um eine effiziente globale Kapitalallokation und nachhaltige Entwicklung zu unterstützen.
Der Bericht beschreibt die Politik für nachhaltige Finanzierungen als in eine Phase übergehend, in der die Umsetzung, Integration und wirtschaftliche Ausrichtung stärker im Mittelpunkt stehen.