Von Standards zur Struktur: Verständnis der GRI Nachhaltigkeitstaxonomie
Da die digitale Nachhaltigkeitsberichterstattung zunehmend regulatorisch vorgeschrieben wird, bietet die GRI Nachhaltigkeitstaxonomie eine praktische Lösung für strukturierte, vergleichbare und maschinenlesbare Offenlegungen.

Am 19. Juni 2025Global Reporting Initiative (GRI) die GRI Nachhaltigkeitstaxonomie veröffentlicht – eine maschinenlesbare digitale Darstellung ihrer Standards. Die auf XBRL basierende Taxonomie ermöglicht es Organisationen, Nachhaltigkeitsangaben in strukturierten Formaten vorzubereiten und verbessert so Zugänglichkeit, Genauigkeit und Interoperabilität.
Warum die Taxonomie wichtig ist
Der Vorstoß zur digitalen Berichterstattung wird durch regulatorischen Druck (z. B. CSRD, ISSB) und den wachsenden Bedarf an belastbaren Nachhaltigkeitsdaten vorangetrieben. Die Taxonomie von GRI reagiert auf diesen Wandel, indem sie eine effiziente Möglichkeit bietet, Nachhaltigkeitsinformationen zu erzeugen, zu validieren und zu teilen. Im Gegensatz zu früheren Bemühungen ist die aktuelle technische Landschaft bereit – und die Taxonomie von GRI ist darauf ausgelegt, dieser Bereitschaft gerecht zu werden.
Was die Taxonomie umfasst
Die Taxonomie spiegelt vollständig die Struktur der GRI Standards wider: drei Universelle Standards (GRI 1–3), über 30 Themenstandards und vier Sektorstandards (GRI 11–14). Wichtige Merkmale sind:
- Zwei Einreichungsoptionen: automatisiert (über XBRL) oder manuell (über Webformular);
- Echtzeitvalidierung zur Verbesserung von Vollständigkeit und Konsistenz;
- Mehrformatiger Export: XBRL, iXBRL, Excel und PDF;
- Strukturierte Kennzeichnung, die mit den Standards bis auf Absatz-Ebene abgestimmt ist.
- Die Taxonomie wurde im Jahr 2024 durch gezielte öffentliche Konsultationen mit Nachhaltigkeitsexperten und XBRL-Fachleuten verfeinert, um sicherzustellen, dass sie sowohl technischen Erwartungen als auch praktischen Berichtsanforderungen entspricht.

Quelle: Veranschaulichendes Beispiel eines XBRL-Berichts
Wie es aufgebaut ist
Die GRI Nachhaltigkeitstaxonomie wird als Taxonomie-Paket verteilt, das gemäß der Taxonomy Packages 1.0 Spezifikation strukturiert ist. Auf der obersten Ebene enthält das Paket einen META-INF-Ordner mit der taxonomyPackage.xml, welche Metadaten wie die Kennung der Taxonomie, Name, Version, Herausgeber und Veröffentlichungsdatum definiert.
Der Hauptinhalt befindet sich im Ordner gri_srs, der Schema-Dateien (.xsd) enthält, welche die Elemente der Taxonomie und deren Beziehungen definieren. Diese umfassen:
I. gri_srs_entry_point_2025-06-23.xsd – Schema mit ELRs für Offenlegungen, die unter den GRI Standards berichtet werden.
II. core-Ordner – enthält Schema-Dateien, in denen die Elemente der GRI Standards definiert sind, darunter:
- gri_srs_core_2025-06-23.xsd: enthält alle Datenpunkte und Eigenschaften;
- gri_srs_part_2025-06-23.xsd: definiert alle verwendeten typisierten Dimensionen;
- country-current-PR-2024-01-31: enthält importierte Ländertaxonomie-Dateien;
- lei: enthält LEI-Taxonomie-Dateien und Validierungsregeln.
III. Formula-Ordner – definiert Validierungsregeln für Offenlegungen:
- formula_gri-2_2025-06-23: Regeln für GRI 2-Offenlegungen;
- formula_gri-3_2025-06-23: Regeln für GRI 3-Offenlegungen;
- formula_gri-101_2025-06-23: Regeln für die GRI 101-Reihe;
- formula_gri-200_2025-06-23: Regeln für die GRI 200-Reihe;
- formula_gri-300_2025-06-23: Regeln für die GRI 300er-Reihe;
- formula_gri-400_2025-06-23: Regeln für die GRI 400er-Reihe;
- formula_gri-generic_2025-06-23: allgemeine Validierungsregeln.
IV. Ordner "labels" – enthält Label-Linkbases:
- lab_gri_srs_2025-06-23.xml: Haupt-Label-Linkbase-Datei in Englisch.
V. Ordner "linkbases" – beinhaltet modulare Präsentations-, Definitions- und Referenzlinkbase-Dateien:
- {pre\def}_GRI_disclosures_number_2025-06-23.xml: modulare Linkbase-Dateien für jeden Standard;
- ref_gri_srs_2025-06-23.xml: Referenz-Linkbase-Datei;
- rol_gri_srs_2025-06-23.xsd: Schema mit ELRs für Linkbases.
Label-Strukturen werden auf drei Offenlegungsebenen abgebildet, um die Struktur der GRI Standards widerzuspiegeln. Ebene 1 bezieht sich auf die Hauptkennzahl der Offenlegung (z. B. 2-1, 2-2), Ebene 2 reflektiert alphabetische Unterpunkte (z. B. 2-3(a)) und Ebene 3 verwendet römische Zahlen für weitere Unterteilungen (z. B. 2-3(a)(i)). Dieses mehrstufige Beschilderungssystem unterstützt die präzise Abstimmung zwischen der für Menschen lesbaren und der maschinenlesbaren Version der Offenlegungen und gewährleistet Konsistenz in Interpretation und digitaler Kennzeichnung.

Quelle: The GRI Sustainability Taxonomy Architecture and Implementation Guide
Wie es in der Praxis funktioniert
Die Taxonomie unterstützt die Kennzeichnung von Offenlegungen unter Verwendung verschiedener Datentypen:
- booleanItemType wird für binäre (ja/nein) Offenlegungen verwendet, die typischerweise mit dem Wort „Ob…“ beginnen. Diese Elemente zeigen das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Bedingung oder Handlung an, beispielsweise ob die Finanzberichte öffentlich eingereicht werden oder ob mehrere Einheiten in das Reporting einbezogen sind.
- enumerationItemType ermöglicht die Kennzeichnung basierend auf einer vordefinierten Optionsliste, wie z. B. Art des Eigentums, Rechtsform oder Häufigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Taxonomie umfasst auch enumerationSetItemType, welches Mehrfachauswahlen für Elemente wie Länder der Tätigkeit oder Arten von Treibhausgasen (GHGs) unterstützt, die in Intensitätskennzahlen enthalten sind.
- decimalItemType wird für numerische Werte wie Geldbeträge oder Intensitätskennzahlen verwendet, z. B. Energieverbrauch oder THG-Emissionen pro Einheit.
- stringItemType wird für Felder angewendet, die unstrukturierte oder narrative Eingaben erfordern, einschließlich des rechtlichen Namens, Erläuterungen, Methodologien und Richtlinienbeschreibungen.
- dateItemType wird für Angaben verwendet, die Datumswerte benötigen, wie z. B. das Anfangsdatum der Nachhaltigkeitsberichterstattung oder wann eine Richtlinie erstmals umgesetzt wurde.
Tagging wird durch Echtzeit-Validierungsprüfungen unterstützt, darunter:
- Abgeleitete obligatorische Regeln zur Erkennung erforderlicher Angaben;
- Auslassungskontrollen, die sicherstellen, dass Erklärungen gegeben werden, wo zutreffend;
- Nicht-negative Validierungen für Zahlen wie THG-Emissionen;
- Identifikatorprüfungen für GRI Company ID-Felder.
Validierungsregeln werden mit der Schwere ERROR oder WARNING zugewiesen. Dies unterstützt die Sicherstellungsbereitschaft und hilft Organisationen, Lücken vor der Einreichung zu identifizieren und zu korrigieren.
Fazit
Die Taxonomie ist so konzipiert, dass sie Flexibilität und Konsistenz in Einklang bringt. Optionale typisierte Dimensionen ermöglichen individuelle Datenaufteilungen (z. B. Region oder Maßeinheit), während Beschränkungen bei Erweiterungen die Kohärenz zwischen Berichten gewährleisten. Intensitätskennzahlen werden zusätzlich durch die Verwendung getaggter Nenner (z. B. pro mb2 oder pro VZÄ) präzisiert.
Berichterstattende Einheiten profitieren von zwei Meldewegen – entweder über automatisierte XBRL-Tools oder ein vereinfachtes Webformular. Diese Anpassungsfähigkeit macht das System für Organisationen mit unterschiedlichen technischen Kapazitäten zugänglich. Die geplanten Tools von GRI zur Drittintegration unterstützen die nahtlose Einführung zusätzlich.
Die Taxonomie ermöglicht es mehreren Stakeholder-Gruppen, Wert zu generieren: Unternehmen erhalten strukturierte Vorlagen und Qualitätsprüfungen; Regulierungsbehörden können die Politikgestaltung mit den Berichtsmechanismen in Einklang bringen; Analysten und Prüfungsanbieter erhalten konsistentere Daten; und digitale Werkzeuge, einschließlich solcher mit KI, können Informationen zuverlässig analysieren und tiefere Erkenntnisse gewinnen.
Unterstützende Materialien
Das vollständige GRI Sustainability Taxonomy Paket, einschließlich technischer Spezifikationen und illustrativer Beispiele, steht zum Download bereit und umfasst:
GRI Nachhaltigkeitstaxonomie (.zip)
GRI Nachhaltigkeitstaxonomie (.xlsx)
GRI Nachhaltigkeitstaxonomie Architektur- und Implementierungsleitfaden (.pdf)