ISO 17298 und die Institutionalisierung der Biodiversität in der Unternehmenspraxis
Da Organisationen wachsenden Erwartungen gegenüberstehen, Umweltfragen anzugehen, entstehen neue Rahmenwerke, die konsistentere Herangehensweisen unterstützen. Eine der jüngsten Entwicklungen ist die Veröffentlichung der ISO 17298, einer Norm mit Fokus auf Biodiversitätsmanagement.

Am 7. Oktober 2025 veröffentlichte die International Organization for Standardization (ISO) die ISO 17298:2025 „Biodiversity for organizations – Guidelines and requirements“, die erste internationale Norm, die sich ausschließlich mit Biodiversität befasst. Die Veröffentlichung spiegelt eine institutionelle Verschiebung hin zur strukturierten Einbindung biodiversitätsrelevanter Überlegungen in die Organisationsstrategie und -prozesse wider. Die Norm wurde in Einklang mit den laufenden globalen Bemühungen zur Bewältigung naturbezogener Risiken entwickelt, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD).
ISO 17298 wird vor dem Hintergrund des Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework und eines sich entwickelnden regulatorischen Umfelds veröffentlicht. Ziel ist es, einen konsistenten Ansatz zur Identifizierung, zum Verständnis und Management von Abhängigkeiten, Auswirkungen und Chancen im Zusammenhang mit Biodiversität zu bieten.
Struktur und Schwerpunkt
ISO 17298 ist keine Berichtsnorm. Sie bietet vielmehr methodische Leitlinien für die Integration der Biodiversität in Governance, Risikomanagement und Strategie. Der Anwendungsbereich der Norm umfasst verschiedene Organisationstypen und geografische Regionen und ist kompatibel mit anderen ISO-Rahmenwerken wie ISO 14001 und ISO 26000. Die praktische Ausrichtung soll die Entwicklung interner Systeme unterstützen und nicht die externe Offenlegung.
Die Norm stellt Definitionen, Konzepte und Prozessleitfäden bereit, um eine systematische Integration der Biodiversität in Entscheidungsprozesse zu ermöglichen. Sie befähigt Organisationen, naturbezogene Risiken durch strukturierte Bewertungen zu analysieren und die Ergebnisse in Geschäftsplanung und -abläufe einzubeziehen.
Ausrichtung an der TNFD
Die Norm baut auf den Grundlagen der TNFD auf und integriert Elemente des LEAP-Ansatzes. Ziel ist die Verbesserung der Kompatibilität zwischen internen Biodiversitätsmanagementsystemen und externen Berichterstattungsrahmen. ISO 17298 trägt zur Harmonisierung der Organisationsansätze im Bereich Biodiversität bei und bietet eine gemeinsame Basis für die Ausrichtung an künftigen naturbezogenen Offenlegungspflichten.
Laut einer öffentlichen Stellungnahme der TNFD unterstützt ISO 17298 die Identifikation und das Management naturbezogener Auswirkungen, Risiken und Chancen. Die Abstimmung soll die Interoperabilität zwischen Standards verbessern und die Umsetzung durch Organisationen über verschiedene Branchen hinweg erleichtern.
Auswirkungen auf ESG und Nichtfinanzielle Berichterstattung
Das Entstehen der ISO 17298 entspricht einem breiteren Trend zur Formalisierung nachhaltigkeitsbezogener Governance. Obwohl sie kein Offenlegungsinstrument ist, stärkt die Norm die Infrastruktur, die der nichtfinanziellen Berichterstattung zugrunde liegt. Durch die Verbesserung interner Abläufe trägt sie indirekt zur Qualität und Zuverlässigkeit von ESG-Daten bei.
Für Organisationen, die sich auf regulatorische Verpflichtungen oder Erwartungen von Investoren vorbereiten, bietet ISO 17298 einen Referenzpunkt zur Verbesserung der internen Vorbereitung. Seine Rolle besteht darin, Systeme zu stärken und die langfristige Integration der Biodiversität in unternehmensweite Entscheidungsprozesse zu unterstützen.