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16 Sep 2025
Nachrichten

SEC äußert Bedenken hinsichtlich der Finanzierung von IFRS und ISSB beim OECD-Rundtisch

Globale Finanzberichtsstandards stehen erneut unter Beobachtung, während Regulierungsbehörden und Marktteilnehmer das Gleichgewicht zwischen verlässlicher Rechnungslegung und aufkommenden Nachhaltigkeitsberichten bewerten.


U.S.A.

Die Eröffnungsrede von SEC-Vorsitzendem Paul Atkins beim OECD-Rundtisch in Paris hob die erneute Prüfung des erweiterten Mandats der IFRS Foundation hervor. Seine Ausführungen betonten Bedenken hinsichtlich des Gleichgewichts der Finanzierung für Rechnungslegungs- und Nachhaltigkeitsstandards sowie der regulatorischen Auswirkungen des Übergangs von finanziellen zu doppelten Wesentlichkeitsmodellen.

IFRS Standards und regulatorische Grundlagen

Hochwertige Rechnungslegungsstandards bleiben eine Grundvoraussetzung für eine effektive Regulierung der Kapitalmärkte. Nach US-Recht müssen inländische Unternehmen ihre Finanzberichte gemäß U.S. GAAP erstellen. Seit 2007 ist es jedoch ausländischen Emittenten gestattet, Abschlüsse auf Basis der International Financial Reporting Standards (IFRS) einzureichen, wie sie vom International Accounting Standards Board (IASB) herausgegeben werden, ohne eine Umrechnung auf U.S. GAAP vornehmen zu müssen.

Bei dieser Entscheidung betonte die U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) die Bedeutung der Unabhängigkeit, Governance und Nachhaltigkeit des IASB als Standardsetzer sowie die Fähigkeit der IFRS Foundation, eine stabile und langfristige Finanzierung für das IASB zu gewährleisten. Diese Überlegungen galten als wesentlich, um die fortlaufende Entwicklung hochwertiger, global anerkannter Standards sicherzustellen.

Gründung des ISSB und Finanzierungsbedenken

Im Jahr 2021 erweiterte die IFRS Foundation ihr Mandat durch die Gründung des International Sustainability Standards Board (ISSB). Die Verantwortung für die Sicherstellung finanzieller Ressourcen erstreckt sich nun sowohl auf das IASB als auch das ISSB. SEC-Vorsitzender Paul Atkins warnte, dass diese Erweiterung nicht von der Aufmerksamkeit oder Finanzierung des IASB ablenken dürfe, dessen Mandat die Bereitstellung verlässlicher Rechnungslegungsstandards zur Unterstützung der Finanzberichterstattung ist.

Stabile und ausreichende Finanzierung wird als entscheidend für die operative Wirksamkeit des IASB angesehen. Sollten Finanzierungsengpässe auftreten, könnte einer der ursprünglichen Grundpfeiler der von der SEC 2007 gewährten Ausnahmeregelung für die Umrechnung nicht mehr gültig sein. Atkins merkte an, dass die Kommission in einem solchen Szenario möglicherweise darüber nachdenken müsste, ob die IFRS-basierte Berichterstattung ohne Umrechnung weiterhin dem US-Markt effektiv dient.

Verlässliche Berichterstattung und Kapitalallokation

Verlässliche Finanzberichterstattung ist grundlegend für Entscheidungen zur Kapitalallokation. Vom IASB entwickelte Standards sollen sich weiterhin auf die Finanzberichterstattung konzentrieren und nicht als Instrument zur Förderung politischer oder sozialer Zielsetzungen verwendet werden. Nach Ansicht von Atkins ist es notwendig, dass das IASB im Finanzierungsmodell der IFRS Foundation weiterhin Priorität hat, um die Integrität der globalen Finanzberichterstattung zu bewahren und das Vertrauen der Investoren aufrechtzuerhalten.

Finanzielle Wesentlichkeit vs. doppelte Wesentlichkeit

Neben den Rechnungslegungsstandards bleibt die finanzielle Wesentlichkeit ein zentraler Pfeiler einer effektiven Regulierung. Ein finanzieller Wesentlichkeitsansatz priorisiert Offenlegungspflichten, die direkt den Interessen der Investoren dienen, die das Kapital bereitstellen, das das Unternehmenswachstum antreibt.

Im Gegensatz dazu hat die Europäische Union durch ihre Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) und die Richtlinie über die Sorgfaltspflichten im Bereich der unternehmerischen Nachhaltigkeit (CSDDD) ein Modell der doppelten Wesentlichkeit eingeführt. Diese Rahmenwerke verlangen von Unternehmen nicht nur die Offenlegung finanziell wesentlicher Informationen, sondern auch von Daten zu breiteren ökologischen und sozialen Auswirkungen.

Atkins äußerte Bedenken, dass die vorschriftsmäßige Natur dieser Richtlinien zusätzliche Belastungen für US-amerikanische Unternehmen mit Niederlassungen in der EU auferlegt, was potenziell Kostensteigerungen nach sich ziehen könnte, die auf amerikanische Investoren und Verbraucher übertragen werden. Während er die jüngsten Bemühungen der EU zur Straffung und Vereinfachung des Berichtssystems anerkennt, betonte er die Notwendigkeit, sich wieder auf die finanzielle Wesentlichkeit als leitendes Prinzip für die Berichterstattung zu konzentrieren.

Fazit

Das Gleichgewicht zwischen finanzieller und Nachhaltigkeitsberichterstattung bleibt ein Prüfstein. Während internationale Regulierungsbehörden ihre Ansätze verfeinern, liegt die Kernherausforderung darin, sicherzustellen, dass Standards weiterhin entscheidungsrelevante Informationen für die Kapitalmärkte liefern, ohne den Fokus auf finanzielle Wesentlichkeit zu verwässern oder die operative Leistungsfähigkeit des IASB zu beeinträchtigen.

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