Reporting Matters 2024: Gangwechsel im Nachhaltigkeitsberichtswesen

Der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) hat in Partnerschaft mit Radley Yeldar die Ausgabe 2024 seiner renommierten Initiative Reporting Matters vorgestellt. Der diesjährige Bericht mit dem Titel Gangwechsel: Wie navigieren Unternehmen in Bezug auf steigende Erwartungen und Anforderungen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung? untersucht die Herausforderungen und Strategien, welche die Zukunft der unternehmerischen Nachhaltigkeitsberichterstattung prägen.
Der Bericht "Reporting Matters 2024" spiegelt die bedeutenden Entwicklungen im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung weltweit wider, mit einem Schwerpunkt auf die zunehmende Bedeutung standardisierter Rahmenwerke und die Integration von Nachhaltigkeit in Unternehmensstrategien.
Wesentliche Highlights und Erkenntnisse:
- Regionale Berichterstattungstrends:
- In Brasilien verzeichnet der Brazilian Business Council for Sustainable Development (CEBDS) eine wachsende Beteiligung an seiner Reporting Matters-Initiative, die mittlerweile 77 Unternehmen umfasst. Das Mandat der brasilianischen Wertpapieraufsichtsbehörde für die ISSB-Methodik ab 2026 stärkt die Relevanz solcher Initiativen zusätzlich.
- In der Türkei setzt BCSD Türkiye seit 2017 Reporting Matters um und hat die Teilnehmerzahl von 23 auf 75 Unternehmen bis 2023 ausgeweitet. Die Einführung neuer Standards und Fokusbereiche wie Zielsetzungen und Biodiversität treibt die Verbesserung der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Unternehmen weiterhin voran.
- Pflicht- vs. freiwillige Berichterstattung:
- Globaler Wandel: Der Bericht hebt den Übergang von der freiwilligen zur verpflichtenden Berichterstattung hervor, angetrieben durch sich wandelnde regulatorische Rahmenbedingungen wie die EU CSRD und die IFRS-Angleichung. Dieser Wandel fordert Unternehmen dazu auf, Transparenz und Nachhaltigkeitsangaben zu verbessern und Stakeholdern vergleichbarere und wirkungsvollere Daten bereitzustellen.
- Wesentlichkeit: Der Aufstieg der doppelten Wesentlichkeit in der Berichterstattung ist deutlich, 77 % der Berichte legen diesen Ansatz offen, was einer Steigerung von 22 % gegenüber 2023 entspricht. Dies steht im Einklang mit aufkommenden Vorschriften und den Erwartungen der Investoren, insbesondere in Bezug auf Klima und Biodiversität.
- Rahmenwerke & Standards:
- Es gibt einen stetigen Anstieg bei der Übernahme verschiedener Nachhaltigkeitsrahmenwerke wie dem TCFD, SASB und TNFD, wobei immer mehr Unternehmen diese in ihren Berichten referenzieren. Besonders hervorzuheben sind die EU-Taxonomie und die CSRD, die vor allem in der EMEA-Region an Bedeutung gewonnen haben, wo 72 % der Unternehmen die Nutzung dieser Rahmenwerke berichten.
- Das Science Based Targets Network (SBTN) verzeichnet ebenfalls eine bemerkenswerte Zunahme an Referenzen, was das Engagement der Unternehmen widerspiegelt, wissenschaftsbasierte Ziele im Einklang mit globalen Nachhaltigkeitszielen zu setzen.
- Externe Prüfung (External Assurance):
- Über 90 % der Berichte beinhalten eine externe Prüfung, davon 80 % auf begrenzt prüfendem Umfang (limited level) und ein wachsender Anteil mit angemessener Prüfung (reasonable assurance). Es wird erwartet, dass der Trend zu höheren Prüfungsstufen anhält, insbesondere da die CSRD-Vorschriften künftig eine angemessene Prüfung fordern.
- Nachhaltigkeits-Governance (Sustainability Governance):
- Mehr Unternehmen integrieren Nachhaltigkeit in ihre Governance-Strukturen. Der Anteil der Unternehmen, die über Nachhaltigkeitsverantwortlichkeiten auf Vorstands- oder Führungsebene berichten, ist auf 32 % gestiegen, was die zunehmende Bedeutung einer obersten Verantwortlichkeit unterstreicht. Zudem verknüpfen nun 73 % der Berichte die Vergütung von Führungskräften mit der Nachhaltigkeitsleistung.
- Integration und Aktualität (Integration and Timeliness):
- Selbstdeklarierte integrierte Berichte gewinnen an Bedeutung, mit inzwischen 27 % der Berichte, die als integriert gelten. Dies spiegelt einen breiteren Trend zur Kombination von nichtfinanziellen und finanziellen Angaben wider. Die Aktualität (Timeliness) der Nachhaltigkeitsberichterstattung bleibt stabil, da die meisten Berichte innerhalb von 1 bis 3 Monaten nach Geschäftsjahresende veröffentlicht werden.

Quelle: WBCSD' Report Reporting Matters 2024
Vorteile von Reporting Matters 2024 für Unternehmensführung und Wachstum
Der Bericht Reporting Matters 2024 hebt wesentliche Trends und Praktiken hervor, die Unternehmen im sich wandelnden Umfeld von Nachhaltigkeit und Corporate Governance einen strategischen Vorteil bieten. Hier sind die wichtigsten Bereiche, in denen der Bericht Unternehmen zum Erfolg verhelfen kann:
- Verbessertes Vertrauen der Stakeholder
Durch die Annahme der doppelten Wesentlichkeit (double materiality) und die Ausrichtung an globalen Berichtsrahmenwerken wie SASB und TCFD demonstrieren Unternehmen Transparenz und Verantwortlichkeit. Dies fördert das Vertrauen von Investoren, Regulierungsbehörden und Verbrauchern und stärkt letztlich die Markenreputation und langfristige Nachhaltigkeit. - Verbesserte Entscheidungsfindung
Der Bericht legt den Schwerpunkt auf die Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren in die Vergütung und das Leistungsmanagement von Führungskräften, wodurch Unternehmen ESG-Kennzahlen mit Geschäftsergebnissen verknüpfen können. Diese Ausrichtung fördert bessere Entscheidungen und stellt sicher, dass Nachhaltigkeitsziele parallel zu finanziellen Zielen erreicht werden. - Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Standards
Reporting Matters 2024 hebt die wachsende Bedeutung dynamischer Prozesse zur Verfolgung sich entwickelnder wesentlicher Themen hervor. Durch die Einbindung eines Echtzeit-Monitorings von ESG-Faktoren können Unternehmen sich an veränderte Marktbedingungen und Erwartungen der Stakeholder anpassen und regulatorischen Anforderungen sowie Marktentwicklungen einen Schritt voraus bleiben. - Stärkere Corporate Governance
Die verstärkte Nutzung externer Prüfungen für wesentliche Leistungskennzahlen stellt sicher, dass Unternehmen zuverlässige, verifizierte Daten bereitstellen. Dies erhöht die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitsberichten und unterstützt robustere Governance-Praktiken, was Unternehmen für Investoren und Partner attraktiver macht. - Strategischer Wettbewerbsvorteil
Durch die Ausrichtung an den neuesten Standards und Rahmenwerken, wie dem TNFD und SBTN, können Unternehmen an der Spitze der sich entwickelnden Nachhaltigkeitstrends bleiben. Diese Positionierung erfüllt nicht nur die aktuellen regulatorischen Anforderungen, sondern bereitet Unternehmen auch auf zukünftige Anforderungen in einem sich schnell verändernden Geschäftsumfeld vor.
Zusammenfassend bietet Reporting Matters 2024 Unternehmen einen umfassenden Fahrplan zur Integration von Nachhaltigkeit in ihre Kernstrategien, zur Verbesserung der betrieblichen Transparenz und zur Stärkung des Stakeholder-Engagements, die alle zu nachhaltigem Wachstum und Profitabilität beitragen.
Dokument herunterladen, um alle Details zu überprüfen: