London Reporting Academy - Logo
02 Oct 2025
Nachrichten

Nachhaltigkeitsberichterstattung für KMU: Reflexionen vom EFRAG–OIC Symposium auf dem EAA-Kongress 2025

EFRAG und OIC organisierten während des EAA-Kongresses 2025 ein Symposium zur Diskussion der Nachhaltigkeitsberichterstattung für kleine und mittlere Unternehmen. Der Fokus lag auf dem freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandard für KMU und dessen potenzieller Rolle bei der Verbesserung der Zugänglichkeit und Konsistenz von ESG-Offenlegungen.


EFRAG_Symposium

Beim 47. Jahrestreffen der European Accounting Association in Rom veranstalteten EFRAG und das Organismo Italiano di Contabilità (OIC) ein Symposium zur Nachhaltigkeitsberichterstattung für kleine und mittlere Unternehmen. Die Veranstaltung konzentrierte sich auf den freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandard für nicht börsennotierte KMU, bezeichnet als VSME-Standard, der von EFRAG entwickelt wurde, um der zunehmenden Nachfrage nach Informationen im Geschäftsverkehr gerecht zu werden. Während er nicht unter die Corporate Sustainability Reporting Directive fällt, zielt der VSME-Standard darauf ab, ESG-Offenlegungen für Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten zu vereinfachen und die Kommunikation mit Finanz- und Geschäftspartnern zu verbessern.

Ziele und Aufbau des VSME-Standards

Der VSME-Standard, vorgestellt von der Vorsitzenden des EFRAG Sustainability Reporting TEG, Chiara Del Prete, wurde als Reaktion auf Marktanforderungen entwickelt und nicht aufgrund regulatorischer Vorgaben. Er unterstützt KMU dabei, steigenden Nachhaltigkeitsinformationsanforderungen im B2B-Bereich gerecht zu werden, indem er eine vereinfachte und standardisierte Vorlage bereitstellt. Der Standard besteht aus zwei Modulen. Das Basis-Modul, konzipiert für Micro-Unternehmen, umfasst binäre Angaben zu wesentlichen Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen, ohne narrative Texte zu verlangen. Das umfassende Modul erweitert den Rahmen um beschreibende Elemente, die speziell auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten sind. Das Fehlen einer Wesentlichkeitsbewertung stellt eine bewusste Designentscheidung dar, um die Anwendung zu erleichtern und sich auf standardisierte Angaben zu konzentrieren, die für Geschäftspartner relevant sind.

Von der Compliance zur strategischen Wertschöpfung

Die Teilnehmer des Symposiums äußerten Bedenken, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht auf Compliance beschränkt sein solle. Moderatorin Araceli Mora (Universität Valencia) eröffnete die Diskussion mit der Frage, wie die Berichterstattung zu einem strategischen Instrument werden könne. Katharina Bryan (Amazon) betonte die Bedeutung praktischer und interoperabler Ansätze und schlug vor, dass freiwillige Berichterstattung KMU dabei helfen könne, sich auf zukünftige regulatorische Anforderungen vorzubereiten. Alexander Stevens (Greenomy) stellte fest, dass ESG-Berichterstattung Finanzierungs-kosten senken, Abläufe optimieren und Beschaffungen effizienter gestalten könne. Er hob außerdem die Bedeutung von Werkzeugen hervor, die die Umsetzung der Berichterstattung erleichtern. Die freiwillige Annahme des VSME-Standards wurde sowohl als Vorbereitung als auch als Mittel verstanden, Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie zu integrieren.

Bereitschaft und Kapazitäts-herausforderungen

Trotz dieses Potenzials sind viele KMU nicht auf eine strukturierte Nachhaltigkeitsberichterstattung vorbereitet. Elbano de Nuccio (Consiglio Nazionale dei Dottori Commercialisti e degli Esperti Contabili) stellte fest, dass das ESG-Verhalten bei KMU oft informell und intern fokussiert sei. Er betonte die Notwendigkeit von Unterstützung durch die Rechnungswesen-Berufsgruppe. Sophia Zakari (SMEunited) ergänzte, dass die meisten europäischen Mikro-Unternehmen mit den Berichterstattungspflichten unbekannt seien und interne Kapazitäten fehlten. Sie unterstrich, dass auch Buchhalter geschult werden müssten, bevor sie KMU unterstützen können. Beide Sprecher wiesen auf die Kluft zwischen Nachhaltigkeitspraktiken und formalen Offenlegungen sowie die nicht nachhaltige Abhängigkeit von externen Beratern hin.

Auswirkungen und Beschränkungen des VSME-Standards

Die Referenten des Symposiums waren sich einig, dass der VSME-Standard dazu beitragen könne, die Berichterstattungsmüdigkeit durch ein einheitliches ESG-Format zu verringern. Dennoch unterliegen KMU weiterhin zusätzlichen Informationsanforderungen von Banken und Geschäftspartnern, die nicht immer mit dem Standard übereinstimmen. Sofern diese Stakeholder den VSME-Rahmen nicht akzeptieren, kann die Vereinfachung begrenzt bleiben. Die Teilnehmenden hoben die Notwendigkeit einer regulatorischen Anerkennung und Harmonisierung hervor, um Doppelarbeit zu reduzieren. Während das digitale VSME-Template und die dazugehörigen Werkzeuge als praktisch angesehen wurden, wurde auch die Bedeutung der Lokalisierung und Integration in nationale Systeme betont.

Unterstützung durch Finanz- und Unternehmens-stakeholder

Die Diskutanten stellten fest, dass Banken und große Unternehmen die Erwartungen an die ESG-Berichterstattung für KMU stark beeinflussen. Die Angleichung ihrer Informationsanforderungen an den VSME-Standard könnte die administrative Belastung verringern. Als Beispiele wurden sektorspezifische Leitlinien und gemeinsame Plattformen wie Amazons Sustainability Exchange genannt. Die Teilnehmenden betonten außerdem, dass Standardsetzer sicherstellen müssen, dass Rahmenwerke zugänglich und proportional zu den Kapazitäten von KMU sind.

Ausblick: Der Weg zu einer breiteren Akzeptanz

Das Symposium unterstrich, dass die breitere Anwendung des VSME-Standards von mehreren Faktoren abhängen wird. Bewusstsein und Schulung sind essenziell, um interne Kompetenzen aufzubauen. Digitale Werkzeuge können die Datenintegration erleichtern. Eine europäische Datenbank könnte das Benchmarking unterstützen und die Nutzbarkeit von ESG-Daten verbessern. Trotz des Interesses wird eine weitverbreitete Einführung regulatorische Zustimmung sowie Akzeptanz durch Finanzinstitute und Partner in der Lieferkette erfordern. Ohne eine klare Einigung darüber, was als ausreichende ESG-Offenlegung gilt, könnten KMU weiterhin mit fragmentierten Erwartungen konfrontiert sein.

Fazit: Einfachheit, Verhältnismäßigkeit und Relevanz

Der VSME-Standard ist ein Fortschritt bei der Erfüllung der ESG-Berichterstattungsbedürfnisse von KMU. Seine Wirksamkeit wird davon abhängen, wie gut er die Vereinfachung mit der Nutzbarkeit in Einklang bringt. Die Teilnehmenden betonten, dass Standardisierung und nicht eine Reduktion der Substanz die Vereinfachung vorantreiben sollte. Die Sicherstellung, dass die Offenlegungen verhältnismäßig und relevant bleiben, ist entscheidend, um sowohl den Erstellern als auch den Nutzern gerecht zu werden. Während sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung von KMU weiterentwickelt, wird die Angleichung von Politik, technischen Rahmenwerken und Marktpraxis unerlässlich sein, um Fragmentierung zu minimieren und den Wert von ESG-Transparenz zu realisieren.

London Reporting Academy - Logo