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23 Dec 2024
Nachrichten

Katar warnt Europa: LNG-Lieferungen wegen EU-Nachhaltigkeitsrichtlinie in Gefahr

Katar, das im 2. Quartal 2024 12 % der LNG-Importe der EU liefert, hat gewarnt, dass es die Gasexporte nach Europa einstellen könnte, falls die EU-Richtlinie 2024/1760 erhebliche Strafen gegen QatarEnergy verhängt. Die Richtlinie, die eine Sorgfaltspflicht in den Lieferketten verlangt, sieht Geldbußen von bis zu 5 % des weltweiten Umsatzes bei Verstößen vor. Katar argumentiert, dass die Regeln für seine Geschäftstätigkeit unpraktisch seien.


Katar, ein bedeutender Lieferant von 12 % der LNG-Importe der EU im 2. Quartal 2024, hat gewarnt, dass es Gasexporte nach Europa stoppen könnte, falls die EU-Richtlinie 2024/1760 erhebliche Strafen gegen QatarEnergy durchsetzt. Diese Richtlinie verpflichtet Unternehmen zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht in den Lieferketten und sieht Geldbußen von bis zu 5 % des weltweiten Umsatzes bei Verstößen vor, was Katar als für seine Geschäftstätigkeit unpraktisch erachtet.

Katars Haltung zu EU-Strafzahlungen

In einem Interview mit der Financial Times betonte Katars Energieminister Saad Sherida Al-Kaabi die finanzielle Belastung durch die Einhaltung der Vorschriften. Er erklärte, dass der Verlust von 5 % des Umsatzes von QatarEnergy einem Verlust von 5 % des nationalen Einkommens Katars entspreche, was er für nicht gerechtfertigt hält. Al-Kaabi warnte, dass Katar seine LNG-Exporte nach Europa überdenken könnte, falls solche Strafen unvermeidbar werden.

Die Auswirkungen der EU-Richtlinie 2024/1760

Die dieses Jahr verabschiedete Richtlinie 2024/1760 (Corporate Sustainability Due Diligence Directive, CSDDD) verpflichtet große Unternehmen innerhalb der EU, sicherzustellen, dass ihre Lieferketten frei von Zwangsarbeit und Umweltschäden sind. Bei Nichteinhaltung drohen Geldbußen von bis zu 5 % des weltweiten Umsatzes. Al-Kaabi kritisierte die Richtlinie als ungeeignet für QatarEnergy, welches eine Lieferkette mit bis zu 100.000 Firmen verwaltet. Die Einhaltung würde einen enormen Personalaufwand oder teure externe Dienstleistungen erfordern, was die Umsetzung sehr unpraktisch mache. Zudem behauptete er, dass die Erreichung der EU-Ziele für eine emissionsfreie Produktion für Ressourcenausbeuter wie QatarEnergy unrealistisch sei.

Katar, einer der weltweit führenden LNG-Exporteure, verstärkt seine Bemühungen, seine Position in Europa und Asien angesichts wachsender Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten zu stärken. Bis 2027 plant Katar, seine LNG-Produktionskapazität von 77 Millionen Tonnen auf 142 Millionen Tonnen pro Jahr zu erhöhen.

Entwicklungen in der US-Energiepolitik

Unter der neu gewählten Regierung von Präsident Donald Trump priorisieren die Vereinigten Staaten eine erhöhte Erdgas- und Ölproduktion. Ein aktueller Bericht des US-Energieministeriums bezweifelt jedoch die Realisierbarkeit einer Beschleunigung von LNG-Exportprojekten, was diese Ambitionen verzögern könnte.

Folgen für Europa

Sollte Katar vom europäischen LNG-Markt zurückziehen, könnte der Kontinent vor verstärkten Energieproblemen stehen, während er bemüht ist, seine Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren. Die Situation zeigt die Schnittstelle zwischen Energiepolitik und Nachhaltigkeitsregulierung mit geopolitischen Folgen.

Laut der Europäischen Kommission lieferte Katar 12 % des verflüssigten Erdgases (LNG) der EU im 2. Quartal 2024, was 4 % der gesamten Gaseinfuhren des Blocks entspricht. Wie die Financial Times feststellt, ist Katar nach den Energie-Marktdisruptionen infolge der Invasion Russlands in der Ukraine zu einem zunehmend wichtigen Lieferanten geworden. Während Europa darauf hinarbeitet, seine Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, hat KatarEnergy bereits langfristige LNG-Vereinbarungen mit Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden gesichert.

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