Japan stellt erste auf IFRS abgestimmte Nachhaltigkeitsberichtsstandards vor
Japan unternimmt einen entscheidenden Schritt in Richtung nachhaltiger Entwicklung durch die Einführung von Berichtsstandards, die mit den internationalen IFRS-Prinzipien harmonisiert sind. Diese Veränderungen spiegeln das Bestreben des Landes wider, seine Praktiken mit den globalen Anforderungen der Gremien wie dem ISSB in Einklang zu bringen. Dies eröffnet neue Chancen für japanische Unternehmen, indem sie Investitionen anziehen, das Vertrauen der Stakeholder stärken und ihre Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten verbessern, indem nachhaltige Praktiken in ihre strategischen und operativen Prozesse integriert werden.

Am 6. März 2025 veröffentlichte das Sustainability Standards Board of Japan (SSBJ) offiziell seine endgültigen Sustainability Disclosure Standards. Diese Standards basieren auf den Richtlinien des International Sustainability Standards Board (ISSB) der IFRS Foundation und werden die Grundlage für die verpflichtende Berichterstattung börsennotierter japanischer Unternehmen bilden, wobei sowohl Nachhaltigkeits- als auch klimabezogene Informationen in ihren Jahresberichten erfasst werden.
Hintergrund und Entwicklung
Der Weg Japans zur Nachhaltigkeitsberichterstattung begann 2021, als die Tokyo Stock Exchange (TSE) ihren Corporate Governance Code überarbeitete und klimabezogene Offenlegungen auf der Grundlage der Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) nach dem "comply or explain"-Prinzip einführte.
Im Jahr 2023 verpflichtete die Financial Services Agency (FSA) Japans alle börsennotierten Unternehmen, Nachhaltigkeitsinformationen in ihre Jahresberichte aufzunehmen, mit Offenlegungen zu Strategie, Risikomanagement, Leistungsindikatoren und Zielsetzungen. Dies markierte einen bedeutenden Schritt zur Verbesserung von Transparenz und Vergleichbarkeit in der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Bis März 2024 veröffentlichte das SSBJ einen Entwurf der Standards. Nach einer öffentlichen Konsultation wurden die im März 2025 veröffentlichten endgültigen Standards verfeinert, um eine stärkere Angleichung an die internationalen ISSB-Maßstäbe zu gewährleisten und gleichzeitig länderspezifische japanische Besonderheiten zu berücksichtigen.
Stufenweise Einführung verpflichtender Offenlegungen
Die Einführung verpflichtender Nachhaltigkeitsberichterstattung für am Prime-Markt der Tokyo Stock Exchange (TSE) notierte Unternehmen erfolgt gestaffelt anhand von Marktkapitalisierungsschwellen:
- Phase 1: Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 3 Billionen JPY oder mehr sind die ersten, die berichten und zwar für das zum März 2027 endende Geschäftsjahr.
- Phase 2: Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 1 Billion JPY oder mehr folgen im März 2028.
- Phase 3: Unternehmen mit einem Wert von 0,5 Billionen JPY oder mehr beginnen mit der Berichterstattung im März 2029.
- Endphase: Der Zeitrahmen für die vollständige Umsetzung bei allen an der TSE Prime gelisteten Unternehmen bleibt flexibel, mit einer vollständigen Einführung, die irgendwann in den 2030er Jahren erwartet wird.
Dieser phasenweise Ansatz ermöglicht es Unternehmen, sich vorzubereiten, während die Regierung die frühen Umsetzungsergebnisse überwacht, bevor sie den Zeitplan für die Ausweitung der Anforderungen auf alle Prime-gelisteten Unternehmen festlegt.
SSBJ und seine Rolle bei der Angleichung an ISSB
Das Sustainability Standards Board of Japan (SSBJ) wurde im Juli 2022 unter der Financial Accounting Standards Foundation (FASF) gegründet, um Nachhaltigkeitsberichtsstandards zu entwickeln, die mit internationalen Rahmenwerken in Einklang stehen.
Das International Sustainability Standards Board (ISSB) wurde im November 2021 gegründet, um eine globale Basislinie für Nachhaltigkeitsangaben zu schaffen. Im Juni 2023 veröffentlichte das ISSB zwei wichtige Standards:
- IFRS S1: Allgemeine finanzbezogene Nachhaltigkeitsangaben
- IFRS S2: Angaben zum Klimawandel
Die Nachhaltigkeitsstandards der SSBJ für 2025 sind eng an IFRS S1 und IFRS S2 des ISSB angelehnt, beinhalten jedoch Japan-spezifische Besonderheiten.
Hauptmerkmale der Nachhaltigkeitsberichtsstandards Japans
Im Unterschied zum ISSB, das zwei Standards herausgab, hat das SSBJ drei eingeführt:
- Universal Sustainability Disclosure Standard – Etabliert übergreifende Prinzipien für die Nachhaltigkeitsberichterstattung.
- Sustainability Disclosure Standard Nr. 1 (Allgemeine Angaben) – Behandelt nachhaltigkeitsbezogene Risiken und Chancen entsprechend IFRS S1.
- Sustainability Disclosure Standard Nr. 2 (Angaben zum Klimawandel) – Steht in vollständiger Übereinstimmung mit IFRS S2 und konzentriert sich auf klimabezogene Risiken und finanzielle Auswirkungen.
Diese Standards zielen darauf ab, japanischen Unternehmen einen umfassenden Rahmen für die Berichterstattung ihrer Nachhaltigkeitsauswirkungen, Risiken und Chancen bereitzustellen.
Geschäftliche Implikationen und strategische Auswirkungen
Die Einführung der Sustainability Disclosure Standards Japans stellt einen transformativen Schritt für börsennotierte Unternehmen dar, der sowohl Herausforderungen als auch strategische Vorteile mit sich bringt. Durch die Angleichung an globale Nachhaltigkeitsrahmen verbessern diese Standards die Transparenz von Unternehmen und bieten Investoren hochwertige, vergleichbare Offenlegungen. Dies stärkt wiederum das Vertrauen der Investoren und positioniert japanische Unternehmen als attraktiver für sowohl inländische als auch internationale Kapitalmärkte.
Zudem gewährleistet die Integration der ISSB-konformen Berichterstattung, dass japanische Unternehmen auf der globalen Bühne wettbewerbsfähig bleiben und den sich entwickelnden Erwartungen von Aufsichtsbehörden und finanziellen Stakeholdern gerecht werden. Über die Wettbewerbsfähigkeit hinaus stattet der strukturierte Ansatz zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Organisationen mit besseren Instrumenten aus, um klimabezogene und weiter gefasste ESG-Risiken zu bewerten und zu steuern, wodurch die langfristige finanzielle Stabilität gestärkt wird.
Schließlich reduziert die Einführung standardisierter Berichtspraktiken Unterschiede zwischen Japan und anderen großen Volkswirtschaften, erleichtert grenzüberschreitende Investitionen und fördert die regulatorische Angleichung. Da die Nachhaltigkeitsberichterstattung zunehmend entscheidend für die Unternehmensstrategie wird, helfen diese neuen Anforderungen Unternehmen dabei, die Komplexitäten des sich entwickelnden ESG-Umfelds zu navigieren und zugleich ihre Resilienz sowie ihre Marktposition zu stärken.