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27 Nov 2025
Nachrichten

ISSB-Standards nach zwei Jahren: Entwicklungen und Berichtspflichten

Das aktuelle Ressourcenpapier des Governance & Accountability Institute, Inc. (G&A) bietet einen aktualisierten Einblick, wie die ISSB-Standards die unternehmerische Nachhaltigkeitsberichterstattung prägen, während deren Implementierung weiterhin ausgeweitet wird. Die Erkenntnisse helfen dabei, die Rolle von IFRS S1 und IFRS S2 im sich entwickelnden globalen Offenlegungsrahmen zu klären.


G&A_ISSB

Mit dem bevorstehenden zweijährigen Meilenstein seit Inkrafttreten der ISSB-Standards im Januar 2024 beurteilen Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsinformationen hinsichtlich Struktur und Darstellung neu. Dieser Überblick basiert auf dem Ressourcenpapier veröffentlicht letzte Woche vom Governance & Accountability Institute, Inc. (G&A), einem Beratungs- und Forschungsunternehmen für unternehmerische Nachhaltigkeit, das jüngste Entwicklungen bei der Anwendung von IFRS S1 und IFRS S2 sowie den weiteren Kontext der sich wandelnden Nachhaltigkeitsberichterstattung analysiert.

Von früheren Rahmenwerken zu einer globalen Basis

Die ISSB-Standards stellen eine Weiterentwicklung früherer Nachhaltigkeitsinitiativen dar, nicht deren Abkehr. Die Standards bauen auf den Arbeiten des Climate Disclosure Standards Board (CDSB), der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) auf. IFRS S1 verlangt von Unternehmen, bei der Bestimmung geeigneter Kennzahlen die SASB-Standards zu berücksichtigen, die für ihre Branche relevant sind, während IFRS S2 die Empfehlungen der TCFD vollständig integriert, einschließlich Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen und Zielsetzungen.

Die Billigung durch die International Organization of Securities Commissions (IOSCO) spiegelt das zunehmende regulatorische Interesse an einem global einheitlichen Rahmen für Nachhaltigkeitsoffenlegungen wider. Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass einige Rechtsordnungen auf eine verbindliche Angleichung hinarbeiten, andere, darunter Kalifornien mit SB261, IFRS S2 und TCFD als anerkannte Grundlagen für klimabezogene Offenlegungen referenzieren.

Kernkonzepte zur Anwendung von IFRS S1 und IFRS S2

G&A hebt mehrere Konzepte hervor, die prägen, wie die ISSB-Standards in der Praxis angewendet werden sollen. IFRS S1 und IFRS S2 werden als Standards für faire Darstellung beschrieben. Unternehmen sollen Nachhaltigkeitsinformationen offenlegen, die vernünftigerweise ihre Perspektiven beeinflussen können, und diese Informationen ehrlich, neutral und umfassend präsentieren. Werden relevante Sachverhalte nicht ausdrücklich von den Standards abgedeckt, können zusätzliche Angaben erforderlich sein, um ein vollständiges Verständnis der nachhaltigkeitsbezogenen Risiken und Chancen zu gewährleisten.

Die Verbindung zwischen Nachhaltigkeitsinformationen und Finanzberichten ist ein zentrales Merkmal. Die Berichterstattung erfolgt für denselben Rahmen wie die Finanzangaben und soll aufzeigen, wie nachhaltigkeitsbezogene Faktoren die Finanzlage, die Leistung und die Zahlungsströme beeinflussen. Die Standards sind zudem mit Blick auf Interoperabilität konzipiert. Das G&A-Papier weist auf die laufende Zusammenarbeit zwischen dem ISSB, dem Global Sustainability Standards Board (zuständig für die GRI-Standards) und EFRAG (Verantwortlicher für die European Sustainability Reporting Standards) hin, die auf eine stärkere Angleichung und erleichterte kombinierte Anwendung abzielt.

Übergangspfade und die fortdauernde Rolle der TCFD

Der Bericht betont, dass viele Organisationen darüber nachdenken, wie sie die ISSB-Standards schrittweise einführen können. Obwohl IFRS S1 und IFRS S2 zusammen anzuwenden sind, verfügen Unternehmen anfangs möglicherweise über etabliertere Prozesse für die klimabezogene Berichterstattung. Zur Unterstützung einer frühen Umsetzung enthält IFRS S1 Übergangsregelungen, die es Unternehmen im ersten Berichtsjahr erlauben, lediglich klimabezogene Informationen gemäß IFRS S2 offenzulegen.

Die TCFD dient weiterhin vielen Berichtspflichtigen als praktischer Einstiegspunkt. G&A stellt fest, dass IFRS S2 der gleichen Vier-Säulen-Struktur wie TCFD folgt, dabei aber detailliertere Angaben verlangt, beispielsweise zu Szenarioanalysen, Scope-3-Emissionen und Übergangsplanung. Für Organisationen mit bestehenden TCFD-Berichten kann der Übergang zu IFRS S2 somit eine natürliche Fortsetzung der bisherigen Praxis darstellen.

Ausblick für Unternehmensberichterstatter

Die im G&A-Papier skizzierten Entwicklungen unterstreichen, dass die Einführung der ISSB-Standards sowohl eine technische als auch eine strategische Veränderung darstellt. Durch die Anwendung einer finanziellen Wesentlichkeitsbetrachtung zielen IFRS S1 und IFRS S2 darauf ab, entscheidungsrelevante Nachhaltigkeitsangaben zu unterstützen, die enger mit dem Risikomanagement und der Finanzplanung verknüpft sind.

Für Unternehmen, die Berichte auf Basis der GRI oder im Einklang mit der TCFD erstellen, bieten die ISSB-Standards einen strukturierten Ansatz zur Verbesserung der Vergleichbarkeit und zur Reaktion auf neue regulatorische Anforderungen. Da die Interoperabilität mit ESRS und GRI weiter voranschreitet und die Rechtsordnungen ihre Offenlegungspflichten verfeinern, wird die Ausrichtung an IFRS S1 und IFRS S2 voraussichtlich weiterhin ein wichtiger Bezugspunkt für die Nachhaltigkeitsberichterstattung bleiben.

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