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30 Sep 2025
Nachrichten

ISO und GHG Protocol vereinheitlichen Standards für die CO₂-Bilanzierung

Eine neue Zusammenarbeit zwischen ISO und dem Greenhouse Gas Protocol zielt darauf ab, ihre Treibhausgas-(THG-)Bilanzierungsstandards miteinander kompatibel zu machen. Durch die Förderung der Kompatibilität zwischen der ISO 1406X-Familie und den Standards für Unternehmensbezogene Bilanzierung und Berichterstattung, Scope 2 und Scope 3, wird angestrebt, konsistentere, interoperable Emissionsdaten zu erreichen.


ISO+Gas Protocol

Im September 2025 kündigten die International Organization for Standardization (ISO) und das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) eine strategische Zusammenarbeit zur Harmonisierung ihrer Treibhausgas-(THG-)Bilanzierungsstandards an. Die Initiative reagiert auf die steigende Nachfrage nach Konsistenz in CO₂-Berichterstattungsrahmenwerken und zielt darauf ab, methodologische Fragmentierung auf globalen Märkten zu reduzieren.

Kontext: Parallele Rahmenwerke, Abweichende Anforderungen

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte haben ISO und GHG Protocol getrennte, aber weit verbreitete Standards entwickelt. Die ISO-1406X-Familie von Standards und die Standards des GHG Protocols für Unternehmensbezogene Bilanzierung und Berichterstattung, Scope 2 und Scope 3 bieten jeweils robuste Rahmenwerke für die THG-Bilanzierung. Ihre Unterschiede in Terminologie, Methodik und Verifizierung erschwerten jedoch eine durchgängige und kohärente Anwendung durch Unternehmen.

Organisationen, die in mehreren Rechtsräumen tätig sind, könnten mit doppelten Berichtspflichten und der Herausforderung konfrontiert sein, unterschiedliche Standards kohärent anzuwenden. Diese Probleme werden durch neue Regulierungsinitiativen wie Carbon Border Adjustment Mechanisms (CBAM) und erwartete Offenlegungspflichten in der Lieferkette verschärft, die den Anspruch an Emissionsdatenqualität und Vergleichbarkeit erhöhen.

Ziele der Zusammenarbeit

Die Partnerschaft konzentriert sich auf zwei Ziele: die Angleichung bestehender Standards und die gemeinsame Entwicklung neuer Standards. Ein besonderer Fokus liegt auf der produktbezogenen Bilanzierung und den Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, bei denen konsistente Methodologien zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Die Organisationen streben an, Kompatibilität zwischen ihren jeweiligen Standards herzustellen, damit Anwender einen Standard mit der Zuversicht nutzen können, dass dieser den Anforderungen des anderen entspricht. Dies soll die Komplexität in der Berichterstellung reduzieren und eine konsistentere sowie überprüfbare Datennutzung in verschiedenen Kontexten erleichtern, sodass Emissionsangaben einem breiteren Spektrum an Stakeholder- und Regulierungsanforderungen gerecht werden können.

Auswirkungen auf die ESG-Berichterstattung

Für Unternehmen bietet die Harmonisierung einen effizienteren Berichterstattungsprozess und einen klareren Weg zur Erfüllung vielfältiger Offenlegungspflichten. Zudem stärkt sie die Grundlage für Prüfungen und verbessert die Vergleichbarkeit von Emissionsdaten über Regionen und Sektoren hinweg.

Aus ESG-Perspektive signalisiert dieser Schritt eine weitere Konvergenz bei klimabezogenen Standards. Da die Erwartungen an THG-Offenlegungen zunehmend formalisiert werden, wird die Angleichung dieser Rahmenwerke von beiden Organisationen als grundlegender Schritt zu einem kohärenteren globalen System der CO₂-Verantwortlichkeit betrachtet.

Blick nach vorn

Die ISO–GHG Protocol-Partnerschaft spiegelt eine Verschiebung hin zu einer koordinierten Standardsetzung im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung wider. Während die vollständige technische Angleichung Zeit in Anspruch nehmen wird, schafft diese Ankündigung die Grundlage für ein einheitlicheres und praxisorientiertes CO2-Bilanzierungssystem.

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