IFRS und IDB gehen Partnerschaft ein, um ISSB-Standards in Lateinamerika voranzutreiben
Eine neue Partnerschaft zwischen der IFRS Foundation und der Inter-American Development Bank markiert einen bedeutenden Schritt zur Förderung der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Lateinamerika. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, die konsistente Einführung von IFRS S1 und S2 durch Kapazitätsaufbau und technische Anleitung zu unterstützen.

Letzte Woche haben die IFRS Foundation und die Inter-American Development Bank (IDB) eine regionale Partnerschaft formalisiert, um die Einführung der IFRS Sustainability Disclosure Standards (IFRS S1 und S2) in Lateinamerika und der Karibik zu beschleunigen. Die Initiative verfolgt außerdem das Ziel, den Privatsektor durch den Implementierungsprozess zu begleiten.
Der aktuelle Stand in Lateinamerika
In Lateinamerika bewegen sich die Länder mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bei der Angleichung an die ISSB-Standards, was eine Mischung aus regulatorischer Bereitschaft und Marktreife widerspiegelt.
Brasilien hat bestätigt, dass börsennotierte Unternehmen verpflichtet sein werden, ab 2026 gemäß IFRS S1 und S2 zu berichten, basierend auf den nationalen Standards CBPS 01 und 02, wie in den CVM-Resolutionen 217, 218 und 219 festgelegt.
Chile hat die verpflichtende Anwendung von IFRS S1 und S2 ab 2026 für börsennotierte Unternehmen bestätigt, nachdem zuvor TCFD-Empfehlungen und SASB-Standards im Rahmen der Norm 461 eingeführt wurden.
In Kolumbien gibt es zwar kein offizielles Mandat, jedoch haben mehrere führende Unternehmen – wie Bancolombia, Grupo Nutresa und Ecopetrol – freiwillig den SASB-Standard und die TCFD-Empfehlungen übernommen, was eine wachsende Ausrichtung des Privatsektors an globalen Standards widerspiegelt. IFRS S1 und S2 wurden auf nationaler Ebene noch nicht formell eingeführt.
Mexiko arbeitet auf eine verpflichtende Offenlegung in Übereinstimmung mit IFRS S1 und S2 für Berichtszeiträume ab Januar 2025 hin, wobei die ersten Berichte im Jahr 2026 fällig sind. Ergänzend dazu hat das mexikanische Finanzstandardgremium (CINIF) nationale Nachhaltigkeitsstandards (NIS A-1 und B-1) herausgegeben, und die Initiative wird durch eine Taxonomie für nachhaltige Finanzen sowie einen regulatorischen Fahrplan unterstützt.
Weitere Länder skizzieren ebenfalls gestufte Implementierungsstrategien. Costa Rica hat IFRS S1 und S2 übernommen, die ab 2025 für regulierte Stellen und große Steuerzahler verpflichtend sein werden. Bolivien wird IFRS S1 und S2 ab 2027 für alle wirtschaftlich tätigen Unternehmen vorschreiben.
Warum die Partnerschaft zwischen IDB und IFRS Foundation wichtig ist
Obwohl mehrere Länder nationale Prozesse gestartet haben, bleibt die Umsetzung uneinheitlich. Die Partnerschaft zwischen IDB und IFRS Foundation bietet eine regionale Plattform zur Unterstützung der Angleichung, insbesondere für Jurisdiktionen mit begrenzter institutioneller Kapazität.
Die Partnerschaft führt einen strukturierten Aktionsplan ein, der sich auf drei Säulen konzentriert: Wissensaustausch (wie analytische Materialien und Fallstudien), Kapazitätsaufbau (für Regulierungsbehörden und den Privatsektor) und Politikberatung und Interessenvertretung (durch technische Unterstützung und regionalen Dialog). Pilotbewertungen für Finanzinstitute sind ebenfalls Teil der Bemühungen. Parallel dazu strebt die IDB an, ihre eigenen Offenlegungen im Einklang mit IFRS S1 und S2 als Teil einer breiteren Roadmap auszurichten.
Globale Einführung der ISSB-Standards: Gemeinsame Ziele, unterschiedliche Zeitpläne
Die regionale Initiative spiegelt eine breitere globale Bewegung hin zu konsistenten Nachhaltigkeitsberichtsstandards wider:
- Australien setzt ab 2025 verpflichtende klimabezogene Finanzberichterstattung um, abgestimmt auf IFRS S2 und beaufsichtigt vom Australian Accounting Standards Board (AASB).
- Japan hat über das Sustainability Standards Board of Japan (SSBJ) ISSB-konforme Offenlegungsstandards veröffentlicht. Während die Anwendung derzeit freiwillig ist, wird eine verpflichtende Einführung ab 2027 erwartet, beginnend mit großen börsennotierten Unternehmen.
- Malaysia führt den National Sustainability Reporting Framework (NSRF) mit gestaffelter Einführung ein: Gruppe 1 Unternehmen ab 2025, Gruppe 2 ab 2026 und Gruppe 3 ab 2027.
- Das Vereinigte Königreich plant, die ISSB-Standards Anfang 2025 zu billigen. Vorbehaltlich dieser Billigung und anschließender Konsultationen wird für FCA-regulierte Unternehmen ab 2026 eine verpflichtende Berichterstattung erwartet.
- Singapur wird ab 2025 klimabezogene Offenlegungen entsprechend den ISSB-Standards für börsennotierte Unternehmen verlangen und ab 2027 für große nicht börsennotierte Unternehmen.
- China entwickelt nationale Nachhaltigkeitsstandards (CSDS) basierend auf IFRS S1 und S2, wobei Klimastandards um 2027 erwartet werden und die vollständige Einführung bis 2030 erfolgen soll.
- Kanada hingegen hat eine Pause eingelegt, um die Ausrichtung im Kontext sich entwickelnder globaler Praktiken und nationaler Überlegungen neu zu bewerten.
Umsetzungshilfen und institutionelle Unterstützung
Zur Unterstützung der Umsetzung hat die IFRS Foundation ein Roadmap Tool eingeführt, um Jurisdiktionen bei der Einschätzung ihrer Bereitschaft und der Gestaltung ihrer Rollout-Strategien zu helfen. Obwohl dieses Tool nicht zentral für die IDB-Partnerschaft ist, kann es regionale Bemühungen ergänzen.
Blick nach vorn: Vom Rahmenwerk zur Praxis
Die regionale Umstellung auf ISSB-Standards signalisiert bedeutende Dynamik, doch der erfolgreiche Übergang hängt von der nationalen Umsetzung ab. Länder wie Brasilien machen bereits Fortschritte, während andere Zeit und Unterstützung benötigen, um die erforderliche Infrastruktur zu entwickeln.
Die Partnerschaft zwischen IDB und IFRS Foundation steht für mehr als technische Zusammenarbeit – sie spiegelt einen wachsenden politischen Willen zu koordiniertem Handeln wider. Dies könnte dabei helfen, Kapazitätslücken zu schließen und eine größere Konsistenz sowie Vergleichbarkeit bei nachhaltigkeitsbezogenen Finanzberichterstattungen in Lateinamerika zu fördern.