GRI warnt die EU vor der Aushöhlung des Prinzips der doppelten Wesentlichkeit in der CSRD
Die Global Reporting Initiative (GRI) schlägt Alarm und fordert die Europäische Kommission auf, die doppelte Wesentlichkeit im Zentrum ihrer Nachhaltigkeitsberichtsregeln zu verankern. Die Botschaft ist klar: Eine Schwächung dieses Prinzips würde die unternehmerische Transparenz untergraben und Europas Führungsrolle im nachhaltigen Wirtschaften gefährden. Da die globale Dynamik zur doppelten Wesentlichkeit wächst, könnte die Entscheidungsfindung der Kommission eine Zukunft prägen, in der Unternehmen durch klare, wirkungsvolle Berichterstattung gedeihen – oder im Wettlauf um nachhaltiges Wachstum zurückfallen.

Die Global Reporting Initiative (GRI) hat die Europäische Kommission aufgerufen, das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit in der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zu bewahren. In einem kürzlichen Schreiben warnte GRI davor, dass eine Abschwächung dieses Prinzips die Transparenz untergraben, das Vertrauen in die EU-Berichtsstandards schwächen und Europas Führungsrolle bei der Förderung nachhaltiger Entwicklung verringern könnte.
Doppelte Wesentlichkeit: Ein Eckpfeiler wirksamer Berichterstattung
Die doppelte Wesentlichkeit schreibt vor, dass Unternehmen nicht nur die finanziellen Auswirkungen ihrer Aktivitäten offenlegen, sondern auch deren Umwelt- und Sozialauswirkungen. Dieser umfassende Ansatz stellt sicher, dass Investoren, Unternehmen und politische Entscheidungsträger fundierte Entscheidungen treffen können. Robin Hodess, CEO von GRI, betonte in ihrer Kommunikation mit Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, und weiteren Führungskräften, dass die Integration von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) in die Unternehmensberichterstattung für die langfristige Nachhaltigkeit unerlässlich ist.
Die CSRD hat gemeinsam mit den Europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (ESRS) dazu beigetragen, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu stärken, indem Investitionen auf Unternehmen gelenkt werden, die Nachhaltigkeit in ihren Geschäftstätigkeiten priorisieren. Hodess warnte davor, dass eine Schwächung des doppelten Wesentlichkeitsprinzips die seit 2014 erzielten Fortschritte zunichtemachen würde, als Unternehmen erstmals verpflichtet wurden, ihre Umwelt- und Sozialauswirkungen offenzulegen. Eine solche Umkehrung würde die Vergleichbarkeit der Daten erschweren, die Marktvolatilität erhöhen und das Vertrauen der Investoren mindern, was die übergeordneten Ziele des Europäischen Grünen Deals gefährden würde.
Wachsende globale Dynamik für doppelte Wesentlichkeit
Die Forderung von GRI steht im Einklang mit einer wachsenden internationalen Bewegung hin zur doppelten Wesentlichkeit. Mehrere bedeutende Aktienmärkte, unter anderem in China, haben bereits ähnliche Anforderungen übernommen und erkennen den Bedarf an detaillierten Nachhaltigkeitsdaten an. Auf der 4. Internationalen Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung (FfD4) haben GRI und 11 globale Partner Regierungen dazu aufgerufen, einheitliche Nachhaltigkeitsberichterstattungsregelungen einzuführen, die die doppelte Wesentlichkeit einbeziehen. Diese Dynamik unterstreicht die Bedeutung der Aufrechterhaltung hoher Transparenz- und Verantwortungsstandards in der Nachhaltigkeitsberichterstattung, wobei die EU weiterhin eine führende Rolle spielt.
Die Rolle der EU bei der Gestaltung globaler Nachhaltigkeitspraktiken
Die Position der Europäischen Kommission zur doppelten Wesentlichkeit wird wesentlichen Einfluss auf die Zukunft der EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung und globale Praktiken haben. Die EU ist seit langem Vorreiter bei der Förderung ehrgeiziger Nachhaltigkeitsziele, und ihr Regulierungsrahmen für die Unternehmensberichterstattung ist zentral für diese Führungsrolle. Mit der Beibehaltung des Prinzips der doppelten Wesentlichkeit schafft die EU ein stabiles und berechenbares Umfeld für Unternehmen, fördert Investitionen in nachhaltige Praktiken und stärkt die langfristige wirtschaftliche Resilienz. Ein abgeschwächter Ansatz könnte zu fragmentierten Berichtsstandards führen, wodurch es für Unternehmen schwieriger wird, sich an globalen Nachhaltigkeitszielen auszurichten.
Strategische Implikationen für Unternehmen und Investoren
Für Unternehmen ist die doppelte Wesentlichkeit mehr als nur eine Compliance-Anforderung – sie ist ein strategisches Instrument, das hilft, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Umwelt- und Sozialfaktoren zu identifizieren. Indem Unternehmen die volle Bandbreite ihrer Auswirkungen verstehen, können sie ihre Strategien an aufkommenden Nachhaltigkeitstrends ausrichten, ihre Resilienz verbessern und ihre langfristige Leistung steigern.
Für Investoren ermöglicht die Berücksichtigung der doppelten Wesentlichkeit in Entscheidungsprozessen ein besseres Risikomanagement und eine genauere Prognose des zukünftigen Potenzials eines Unternehmens. Dieser Ansatz unterstützt Investitionen in Unternehmen, die finanziell stark und sozial verantwortlich sind, und reduziert die Risiken versteckter Kosten und Reputationsschäden. Langfristig fördert die doppelte Wesentlichkeit eine nachhaltigere, CO2-arme Wirtschaft und verschafft Investoren einen Wettbewerbsvorteil in einem sich schnell entwickelnden Markt.
Fazit: Ein entscheidender Moment für die Nachhaltigkeitspolitik der EU
Der Aufruf von GRI, die doppelte Wesentlichkeit in der CSRD beizubehalten, stellt einen Wendepunkt in der Nachhaltigkeitsentwicklung der EU dar. Die Entscheidung der Europäischen Kommission wird bestimmen, ob Europa weiterhin eine führende Rolle bei globalen Nachhaltigkeitsbemühungen einnimmt oder sich einem fragmentierteren Ansatz zuwendet. Durch die Aufrechterhaltung robuster, transparenter und wirkungsvoller Berichtsstandards kann die EU ein kraftvolles Beispiel für Unternehmen und Investoren setzen und den langfristigen Erfolg der Nachhaltigkeitsagenda sicherstellen.