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26 Feb 2025
Nachrichten

Die Zukunft der CSRD in Frage gestellt: Warum die größten Volkswirtschaften der EU nicht übereinstimmen können

Der andauernde Konflikt zwischen den wirtschaftlichen Giganten Europas über die CSRD ist mehr als eine Debatte — es ist ein wegweisender Moment für die Zukunft der EU. Kann der Block wirklich in Sachen Nachhaltigkeit führend sein, ohne seine Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden? Während Spanien und Italien härtere grüne Standards befürworten, fordern Deutschland und Frankreich mehr Spielraum; die Einsätze könnten nicht höher sein. Die EU steht an einem Scheideweg, an dem die Balance, die sie findet, nicht nur ihre wirtschaftliche Entwicklung bestimmen wird, sondern auch ihre Rolle als globaler Vorreiter im nachhaltigen Wirtschaften neu gestalten könnte. Die nächsten Schritte werden entscheidend sein — wird die EU innovieren oder scheitern?


Im Februar 2025 zeigten die größten Volkswirtschaften der Europäischen Union — Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich — erhebliche Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Umsetzung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Diese im Dezember 2022 verabschiedete Richtlinie zielt darauf ab, die Anforderungen an die Offenlegung der Auswirkungen von Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft zu verschärfen. Die Ansätze zu ihrer Umsetzung unterscheiden sich jedoch stark unter den führenden EU-Ländern.

Initiative der Europäischen Kommission

Die Europäische Kommission plant, nächste Woche eine Initiative vorzustellen, die darauf abzielt, Umweltstandards für Unternehmen zu vereinfachen, mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu stärken. Dieser Vorschlag wird als Reaktion auf das Versprechen des US-Präsidenten Donald Trump angesehen, ähnliche Standards aufzuheben.

Im Rahmen dieser Initiative werden mehrere Schlüsselpolitiken überprüft, darunter die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die Due-Diligence-Richtlinie und das EU-Taxonomiesystem zur Klassifizierung klimafreundlicher Investitionen.

Position Spaniens und Italiens

Spanien lehnt eine Schwächung der Umweltstandards ab und drängt die Europäische Kommission, strenge Anforderungen an die Unternehmensberichterstattung beizubehalten. In einem von Umweltministerin Sara Aagesen und Wirtschaftsminister Carlos Cuervo unterzeichneten Schreiben wird betont, dass das Due-Diligence-Gesetz, das ab 2027 Unternehmen verpflichtet, Risiken in Lieferketten zu beurteilen, die Werte der EU stärkt und unverändert bleiben sollte. Spanien unterstützt jedoch eine Verschiebung der Umsetzung der Berichtsregeln für kleine und mittlere Unternehmen, beharrt aber darauf, dass diese zukünftig flächendeckend angewandt werden.

Italien, vertreten durch Finanzminister Giancarlo Giorgetti, ist ebenfalls gegen eine pauschale Verzögerung der CSRD für große Unternehmen, die ab diesem Jahr berichten sollen. Italien schlägt jedoch vor, Fristen zu verlängern und die Anforderungen für kleine Unternehmen zu vereinfachen, die ab 2026 der Richtlinie unterliegen, und erwägt eine Verzögerung beim Due-Diligence-Gesetz.

Position Deutschlands und Frankreichs

Im Gegensatz dazu setzen sich Deutschland und Frankreich für erhebliche Änderungen der EU-Umweltstandards ein. Deutschland schlug im Dezember eine zweijährige Verschiebung der Umsetzung der CSRD vor und verwies auf Bedenken hinsichtlich der potenziellen Auswirkungen auf 13.000 deutsche Unternehmen. Frankreich forderte im Januar wiederum eine unbefristete Aussetzung der Due-Diligence-Anforderungen und eine zweijährige Verschiebung der CSRD.

Strategischer Ausblick

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich unterstreichen die Herausforderung der EU, Nachhaltigkeitsambitionen mit wirtschaftlichen Realitäten in Einklang zu bringen. Spanien und Italien legen Wert auf strenge Umweltvorschriften, um die globale Nachhaltigkeitsführerschaft der EU zu bewahren. Sie argumentieren, dass einheitliche Standards für alle Unternehmen langfristige Innovationen im Bereich grüner Technologien fördern werden.

Deutschland und Frankreich betonen dagegen die Notwendigkeit eines flexibleren, gestuften Ansatzes, der es Unternehmen, insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen, ermöglicht, sich anzupassen, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Die EU muss diese Kluft überbrücken, indem sie eine Lösung entwickelt, die strenge Umweltziele mit wirtschaftlicher Flexibilität in Einklang bringt. Dies könnte gezielte Unterstützung für Unternehmen im Wandel beinhalten, insbesondere in risikoreichen Sektoren. Auf diese Weise kann die EU ihre Rolle als Vorreiter in der nachhaltigen Regulierung beibehalten, Innovationen fördern und die wirtschaftliche Resilienz sichern.

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